Unser Einsatz für den Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegen

Unser Engagement für mehr Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegen lohnt sich: Über die Jahre konnte Handicap International unzählige Blindgänger, Minen und Streubomben bergen und zerstören. Wir haben zehntausenden Überlebenden dieser Waffen ein Leben in Würde und Selbstbestimmung ermöglicht und Millionen von Menschen über die Gefahr durch diese Waffen aufgeklärt. Da wir auf vielen Ebenen arbeiten, sind wir besonders effizient und schaffen Synergien zwischen unseren Projekten.

Zuletzt geändert am: 15.12.23

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Ein ganzheitlicher Ansatz

Explosivwaffen, die in bevölkerten Gebieten eingesetzt werden, richten verheerenden Schaden an. Weit über 90 Prozent ihrer Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung. Um die Menschen besser vor diesen Waffen zu schützen, engagiert sich Handicap International auf vier Ebenen:

  • Räumung von Blindgängern und Minen
  • Hilfe für die Überlebenden
  • Risikoaufklärung
  • politische Kampagnenarbeit

Gemeinsam mit der Vernichtung von Lagerbeständen an Waffen bilden diese vier Maßnahmen die fünf Säulen der sogenannten humanitären Minenaktionen. Während sich viele Organisationen oder Firmen auf eine Säule spezialisiert haben, ist Handicap International die einzige Organisation, die eine umfassende Expertise in vier Säulen besitzt. Dadurch sind wir in der Lage, Synergien zwischen den einzelnen Bereichen zu schaffen – und bieten somit einen doppelten Vorteil: Für die Begünstigten erreichen wir eine größere Wirkung und gegenüber Geldgebern eine höhere Effizienz.

Mit dem umfassenden Ansatz kann Handicap International gleichzeitig in verschiedenen Bereichen der humanitären Minenaktion innerhalb einer Projektgegend tätig sein:

Während unsere Teams ein Dorf entminen, werden Überlebende identifiziert und an Versorgungsdienste verwiesen. Gleichzeitig klären wir die Bevölkerung über die Gefahren von Minen und explosiven Kriegsresten auf und vermitteln den Behörden, welche Maßnahmen notwendig sind.

Wir arbeiten gemeinsam mit den Behörden und überzeugen sie, Verantwortung in allen Bereichen der humanitären Minenaktion zu übernehmen. Unsere politische Kampagnenarbeit und Fürsprache auf nationaler und internationaler Ebene basiert unmittelbar auf unserer Erfahrung vor Ort. In unseren Advocacy-Initiativen stellen wir sicher, dass die Schwierigkeiten der betroffenen Bevölkerung von den Akteuren im nationalen und internationalen Umfeld verstanden werden, so dass sie entsprechende Gesetze und politische Richtlinien entwickeln. Die unterschiedlichen Aktivitäten des umfassenden Ansatzes führen wir gleichzeitig aus und stimmen sie aufeinander ab.

Risikoaufklärung zu Blindgängern und anderen Kriegsresten

Die Räumung von Kriegsresten ist kostspielig und zeitintensiv. Eine Mine ist schnell verlegt, eine Streumunition schnell abgeworfen, eine Rakete schnell abgefeuert. Aber ihre tödliche Gefahr hält oft viele Jahrzehnte an. Unzählige Explosivwaffen bleiben als Blindgänger noch Jahre nach einem Krieg gefährlich. Deshalb müssen die Betroffenen sofort lernen, mit der Gefahr zu leben. Wir helfen ihnen dabei, indem wir sie über die Gefahren aufklären.

Unsere Teams arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Datensammlung über Streubomben, Landminen, Unfälle mit nicht explodierten Kriegsresten und über Unfälle. Mit diesen Daten werden anschließend die Risikogruppen definiert und geeignete Präventionsmaßnahmen eingeleitet.
  • Aufklärung und Mobilisierung der Bevölkerung durch verschiedene Informations- und Bildungskampagnen. (Diese Kampagnen bauen auf die aktive Einbindung lokaler Netzwerke, traditioneller und religiöser Autoritäten sowie lokaler und nationaler Verwaltungsangestellter)
  • Aufklärung von Kindern durch das Schulsystem oder andere bestehende Netzwerke. Entwicklung von Lehrmaterialien, Durchführung von Aufklärungskursen oder spezifischen Aktivitäten.

Opferhilfe – Hilfe für die Überlebenden

Die Überlebenden von Unfällen mit Minen und Streumunition sind oft schwer verletzt – körperlich und seelisch. Viele von Ihnen sind jahrelang, oft ihr ganzes Leben, auf Unterstützung angewiesen. Im Rahmen der "Opferhilfe" ermöglicht ihnen Handicap International körperliche und seelische Rehabilitation und hilft bei der gesellschaftlichen Wiedereingliederung.

Unsere Teams arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Ausbildung einheimischer Fachkräfte für Orthopädie und Physiotherapie, die die physische Rehabilitation und die Anpassung orthopädischer Hilfsmittel durchführen
  • Psychologische und soziale Unterstützung für Menschen mit Behinderung
  • Anpassung des physischen und sozialen Umfelds auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung.

Minenräumung

Die sicherste Methode zum Schutz der Bevölkerung ist die Räumung und Beseitigung der Gefahr. Nur wenn die Minen und Blindgänger wirklich entfernt wurden, kann ein Gebiet wieder ohne Angst genutzt werden. Die Kampfmittelräumung ist eine aufwändige Tätigkeit, die viel Vorsicht, viel Expertise, viel Geduld und viel Geld verlangt.

Unsere Teams arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Manuelle Räumung: Die meisten Kriegsreste werden noch immer manuell geräumt. Das heißt, Entminungsteams bewegen sich Zentimeter um Zentimeter voran, suchen den Boden z.B. mit Metalldetektoren ab, prüfen mit Minensuchnadeln die Umrisse, um dann vermeintlich gefährliche Gegenstände vorsichtig freizulegen.
  • Räumung mit Tieren und schweren Maschinen:Unterstützung erhalten die Teams unter bestimmten Bedingungen von Tieren und Maschinen. Hunde können mit ihrer guten Nase oft viel Zeit sparen. Und im Tschad kommt beispielsweise eine unbemannte, ferngesteuerte Entminungsmaschine zum Einsatz.
  • Testen und Anwenden innovativer Methoden: Mit Drohnen lassen sich verseuchte Gebiete sehr viel schneller finden und kartieren.
  • Ausbildung lokaler Fachkräfte: Wir möchten möglichst viel Expertise vor Ort aufbauen und bilden deshalb lokale Fachkräfte aus. Diese können bei uns in Führungspositionen aufsteigen, sind aber auch bestens gewappnet, um bei anderen lokalen und internationalen Anbietern der Minenräumung zu arbeiten.

Politische Kampagnenarbeit

Wir kämpfen für eine Welt, in der keine Minen mehr verlegt werden, keine Streubomben mehr abgefeuert werden und die Zivilbevölkerung in Kriegen besser geschützt wird. Wir fordern von den Staaten, kontaminierte Gebiete möglichst schnell zu räumen. Und wir setzen uns dafür ein, dass die Überlebenden und ihre Belange nicht vergessen werden, sondern eine langfristige und zentrale Rolle in staatlichen Entwicklungsplänen spielen.

Unsere Teams arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Nationale Rahmenbedingungen und Einstellungen verändern: In den betroffenen Ländern müssen die Autoritäten ein Bewusstsein für die Belange der Opfer erlangen. Viele Länder, die besonders stark verseucht sind, sind relativ arm. Die Rechte von Menschen mit Behinderung sind häufig nicht besonders stark ausgeprägt. Ein Teufelskreis aus Armut und Behinderung erschwert das Leben für die Betroffenen erheblich.
  • Internationale Rahmenbedingungen verändern: Internationale Verträge und Regelwerke, denen bestimmte Staaten beitreten können und die damit in nationale Gesetzgebung übergehen, sind ein unverzichtbarer Hebel für unsere Arbeit. Sie ermöglichen es uns, auf nationaler Ebene mit wesentlich mehr Überzeugungskraft Änderungen erwirken zu können.
  • Druck auf die Länder des globalen Nordens: Laut Minenverbot, Streubombenverbot und der politischen Erklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung haben die reicheren Länder des globalen Nordens eine besondere Verantwortung zur Umsetzung der Verträge. Wir achten gemeinsam mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft dafür, dass sie die Verantwortung annehmen.
  • Die Öffentlichkeit mobilisieren: Um Druck auf die Politik ausüben zu können, muss die Bevölkerung Bescheid wissen. Ein Ziel von Handicap International ist es deshalb, das Bewusstsein für diese Waffen, ihre Folgen und unsere Verpflichtungen in der Öffentlichkeit zu schärfen. Mit kleineren und größeren Kampagnen erreichen wir dies.

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Portraits aus unseren Ausstellungen

In Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer haben wir zwei Ausstellung konzipiert, die deutschlandweit verliehen werden. "Barriere:Zonen" und "erschüttert" erzählen bewegende Geschichten von Menschen aus Krisengebieten, von denen viele eine Behinderung haben. Lesen Sie hier Ihre Geschichten.

Amine und ihr Vater sitzen vor einer Wand und lächen sich an.
Amina lernt laufen

Die 7-jährige Amina verlor durch eine Raketenangriff während der Machtergreifung der Taliban im Juli 2021 ein Bein, zwei Geschwister und ihre Mutter. Im Reha-Zentrum von Handicap International lernt sie ein zweites Mal zu laufen: Mit einem gesunden Bein und einer Prothese.

Valentina hält in einem Keller eine Kerze hoch.
Valentina bleibt

Till Mayer hat die damals 79-jährige in der Ostukraine nahe der Front besucht. Fast nur noch alte Menschen sind vor Ort geblieben. Manche erinnern sich noch an den Zweiten Weltkrieg und müssen nun wieder Bombardierung und Vertreibung erleben.

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