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Explosivwaffen-Monitor 2025

Zivilbevölkerung in 65 Ländern von Explosivwaffen betroffen

Explosivwaffen fordern weiterhin einen verheerenden Tribut von der Zivilbevölkerung. Das vergangene Jahr war bereits das dritte Jahr in Folge, in dem Bombardierungen und Beschuss in Städten und anderen dicht besiedelten Gebieten zu einem besonders hohen Maß an zivilen Schäden und Verlusten unter der Zivilbevölkerung geführt haben. Der aktuelle Explosivwaffen-Monitor 2025 dokumentiert einen dramatischen Anstieg der Angriffe auf die Zivilbevölkerung und lebenswichtige Hilfs- und Versorgungsinfrastruktur durch den Einsatz von Explosivwaffen. Ein deutlicher Anstieg der Angriffe war insbesondere in der Ukraine sowie im Zusammenhang mit dem verstärkten Einsatz von Drohnen zu verzeichnen.

Zuletzt aktualisiert am: 10.06.2026

Am 10. Juni 2026 veröffentlichte die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI) und ihre Partnerorganisationen des Internationalen Netzwerks zu Explosivwaffen (INEW) den neuen Explosivwaffen-Monitor mit Zahlen des Berichtszeitraums von 2025. 

Demzufolge wurden im vergangenen Jahr mindestens 22.600 Zivilist*innen durch Explosivwaffen getötet. Die meisten Vorfälle gab es vermutlich in bevölkerten Gebieten wie Städten und Wohngebieten. 

Insgesamt waren Zivilist*innen in mindestens 65 Ländern und Gebieten von Explosivwaffeneinsätzen betroffen. Das bedeutet, dass in jedem dieser Länder mindestens eine zivile Person getötet oder verletzt oder wichtige zivile Infrastruktur zerstört wurde.

Zivilist*innen in 13 Ländern und Gebieten - in Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, im Iran, Irak, Jemen, Libanon, Myanmar, den Palästinensischen Gebieten, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien, und in der Ukraine - galten als besonders stark betroffen. Vor allem in der Ukraine, Jemen und Syrien stieg die Zahl der Getöteten und Verletzen an

In Gaza und Libanon nahm sie aufgrund der 2025 geltenden Waffenruhen ab.

Lebenswichtige zivile Infrastrukturen und humanitäre Hilfe zunehmend im Visier

Zudem werden wichtige zivile Infrastrukturen wie Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Märkte und landwirtschaftliche Flächen zunehmend durch den Einsatz von Explosivwaffen getroffen. Auch humanitäre Hilfsmaßnahmen geraten immer häufiger ins Visier. Die Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheerend und wirken oft über Generationen hinweg nach.

Die Zahlen des Explosivwaffen-Monitors 2025 zeigen dabei eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

Gesundheitseinrichtungen:

  • In 22 Ländern wurden in insgesamt
  • 1.272 Vorfällen Krankenhäuser, Kliniken und Krankenwagen getroffen. 
  • 267 Gesundheitsfachkräfte wurden dabei weltweit getötet.
  • 806 Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört.
  • In der Ukraine kam es zu einem Anstieg um 20%, der auf russische Drohnenangriffe zurückzuführen war. 

Bildungseinrichtungen:

  • Die Angriffe auf Schulen und Universitäten verdreifachten sich gegenüber 2024 beinahe. 
  • In der Ukraine stiegen die russischen Drohnenangriffe auf Schulen um 358%.

Nahrungsmittel, Landwirtschaft und andere Infrastruktur:

  • In 15 Ländern ereigneten sich insgesamt: 
    • 1.082 Angriffe auf die Nahrungsmittelversorgung,
    • darunter 190 Angriffe auf Märkte, 
    • 154 auf landwirtschaftliche Flächen und
    • 87 Angriffe auf die Wasserinfrastruktur.

Humanitärer Sektor:

  • Die gezielten Angriffe auf humanitäre Helfer*innen und Hilfsmaßnahmen stiegen um 52% gegenüber 2024. 
  • Etwa 90% davon fanden in den Palästinensischen Gebieten statt. 
  • Mindestens 108 Helfer*innen wurden getötet. 

Nachwirkungen für Generationen

Die langfristigen Konsequenzen dieser Angriffe sind verheerend. Um nur zwei Beispiele zu nennen:

In der Ukraine hat der jahrelange Konflikt die Gesundheitsversorgung nahezu kollabieren lassen. Die systematische Zerstörung von Energieinfrastruktur und Gesundheitseinrichtungen gefährdet täglich das Leben von Kranken und Hilfsbedürftigen.

Die Situation in Myanmar zeigt eine weitere Dimension des Problems: Historisch hohe Binnenvertreibungen kombiniert mit der Zerstörung von Bildungseinrichtungen führen zu massiven Bildungslücken – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Diese Bildungsunterbrechungen beeinträchtigen Berufschancen, Existenzgrundlagen und die psychische Gesundheit ganzer Generationen.

Der EWIPA-Monitor macht deutlich: Die internationale Gemeinschaft muss handeln. Die politische Erklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Explosivwaffen von 2022 zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den humanitären Folgen von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten wurde bisher von 91 Staaten unterstützt – ein wichtiger Schritt, dem jedoch konkrete Umsetzungsmaßnahmen folgen müssen, um die Zivilbevölkerung wirksam zu schützen.

Anstieg der Angriffe mit Drohnen

Luftgestützte Explosivwaffen waren 2025 die am häufigsten eingesetzte Waffenkategorie bei Vorfällen, bei denen Zivilpersonen getötet und verletzt oder zivile Infrastrukturen zerstört wurden. 

  • Rund 67% aller erfassten Vorfälle standen im Zusammenhang mit ihrem Einsatz. 
  • Allein in der Ukraine stieg der Einsatz von Drohnen bei Angriffen auf Bildungseinrichtungen um 358 %. 
  • Die Zahl der Drohnenangriffe auf Hilfslager im Gazastreifen stieg im Jahresvergleich von 64 auf 303 Vorfälle.

Zu den luftgestützten Explosivwaffen zählen sämtliche Waffen, die von Flugzeugen, Hubschraubern oder unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) abgefeuert oder abgeworfen werden. Dazu gehören aus der Luft abgeworfene Bomben, Luftangriffe durch Flugzeuge, Hubschrauber oder Drohnen sowie von Luftfahrzeugen gestartete Raketen und Lenkflugkörper. Dazu zählen ebenfalls Drohnen, die selbst mit einer Sprengladung ausgestattet sind, wie etwa sogenannte Loitering Munitions (herumstreifende Munition).

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

  • In mindestens 65 Ländern und Gebieten war die Zivilbevölkerung vom Einsatz von Explosivwaffen betroffen.
  • Zivilist*innen waren 2025 vor allem in 13 Ländern und Gebieten betroffen: Äthiopien, Demokratische Republik Kongo, Iran, Irak, Jemen, Libanon, Myanmar, Palästinensische Gebiete, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien und Ukraine.
  • Zerstörung statt Rettung: Im Jahr 2025 gab es 1.272 Angriffe auf das Gesundheitswesen in insgesamt 22 Ländern.
  • Angst statt Bildung: Bildungseinrichtungen wurden dreimal so viel angegriffen wie noch im Vorjahreszeitraum (1.416 Vorfälle im Jahr 2025 in 27 Ländern).
  • Bomben statt Hilfe: Die Angriffe auf den humanitären Sektor legten um 52% zu (2.541 Vorfälle, 90% davon fanden in den Palästinensischen Gebieten statt)

Der Bericht wird von INEW, International Network on Explosive Weapons, erstellt. Handicap International ist Gründungsmitglied von INEW.  

  • Hier finden Sie den kompletten EWIPA-Monitor als PDF.
  • Hier finden Sie das Faktenblatt zu EWIPA.


Wir sind besonders schockiert darüber, dass immer mehr Länder und Gebiete – insgesamt 65 – von dieser Praxis betroffen sind. Der Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten nimmt der Zivilbevölkerung systematisch den Zugang zu lebenswichtigen Einrichtungen: Schulen, Krankenhäuser, Hilfskonvois, Wasserleitungen und Lebensmittelmärkte werden in immer größerem Umfang, an immer mehr Orten und von immer mehr Akteuren zerstört“ 

Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland.

 

Was ist der Explosivwaffen-Monitor?

Die Initiative Explosivwaffen-Monitor wurde im Jahr 2022 gegründet. Sie setzt sich aus Mitgliedern des Internationalen Netzwerks für Explosivwaffen (INEW) zusammen, darunter Handicap International, Action on Armed Violence (AOAV) und Insecurity Insight, die die wichtigsten Beiträge zu dem Bericht liefern.

Gemeinsam erhöhen wir den Druck auf die Staaten, in dem wir Informationen und Analysen über die verheerende Wirkung dieser Waffen veröffentlichen. Die Staaten sollen konkrete Strategien und Maßnahmen unternehmen, um den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten einzuschränken. Sie sollen außerdem Nichtunterzeichnerstaaten dazu bewegen, dem internationalen Übereinkommen beizutreten.

Der Monitor enthält Informationen über:

  • Vorfälle, bei denen Explosivwaffen eingesetzt wurden und Opfer forderten.
  • Vorfälle von Explosivwaffeneinsätzen, die den Zugang zu Hilfe, Bildung und Gesundheitsversorgung beeinträchtigen.

Was sind Explosivwaffen?

Als Explosivwaffen werden unterschiedliche Typen von Munition wie Raketen, Mörser- und Artilleriegranaten bezeichnet. Dazu zählen außerdem Sprengfallen, Landminen und Streumunition. Sie alle haben eine verheerende Flächenwirkung, treffen nicht präzise und verwüsten große Bereiche. Sie töten und verletzen Menschen direkt oder auch indirekt durch einstürzende Gebäudeteile. Häufig bleiben Reste von Explosivwaffen als Blindgänger liegen und bedrohen die Bevölkerung noch viele Jahre nach Kriegsende.

► Lesen Sie in unserem Hauptartikel alles über Explosivwaffen

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